Die Macht des Kapitals und die Ohnmacht der Arbeit(er)

Wenn der Wert der historischen Kontextualisierung Marxens darin bestehen sollte, dass er mit der Analyse von Kapital und Arbeit uns zu einem kritischen Nachdenken über unsere heutigen (von der neoliberalen Ideologie kontanimierten) Überzeugungen zum Verhältnis zwischen beiden Polen anhält, dann sehe ich nicht ein, warum man im Lichte dieser Interpretationen nicht zu dem Ergebnis gelangen könnte, dass Alternativen sowohl möglich als auch wünschenswert sind. Die erstaunliche Entwicklung der Produktivkräfte, die von Marx vorausgesagte Konzentration von Macht und Kapital in immer weniger Händen und seine anthropologischen Untersuchungen vom Wert der Arbeit für den Menschen schreien geradezu nach politischen Antworten und Gestaltungsspielräumen, um entscheiden und gesetzlich festzulegen, was wir, warum, wie und für wen arbeiten und produzieren. Die Transformation des „Reichs der Notwendigkeit“ in das „Reich der Freiheit“ wird nie gänzlich vollzogen werden können. Das bedeutet aber, dass wir nicht wie „Idioten“ (Rudi Dutschke) am Ende der Geschichte stehen (und damit in das geschichtslose Reich der neoliberalen Freiheit eingetreten sind), wie uns das seit 1989 glauben gemacht wird. Sondern wir können Geschichte weiterhin machen. Sonst triumphiert die von Marx so unvergleichlich freigelegte Logik des Kapitalismus: die Macht des (globalisierten) Kapitals wächst; die Macht der Arbeit(er) schrumpft.

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